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Von Andreas am 26.03.2011 zum Thema Verkehr verfasst:

Warum ist Autofahren keine nachhaltige Mobilität?

Die Kritik am MIV (motorisierter Individualverkehr) ist vielschichtig.
Um das zu illustrieren hier ein paar wichtige Probleme im Zusammenhang mit Autoverkehr:

1. Emission von Feinstaub

Durch den Verbrennungsprozess im Motor sowie durch den Reifenabrieb auf der Fahrbahn entsteht lungengängiger Feinstaub, der Krebs- und Atemwegserkrankungen hervorruft. In dichtbesiedelten Städten, besonders Megacities, ist es einer der Hauptgründe für die deutlich höhere Mortalitätsrate (Sterblichkeit = Wahrscheinlichkeit, in diesem Jahr zu sterben) der Stadtbevölkerung gegenüber Menschen auf dem Land. Besonders ältere Menschen, Schwangere, chronisch Kranke und Kinder leiden besonders an den Immissionen (wenn eine Emission auf einen Organismus einwirkt, nennt man es Immission). Pflanzen in Straßennähe sind ebenfalls gefährdet, da bei einem Niederschlagsereignis der auf der Fahrbahn abgesetzte Feinstaub an den Straßenrand gespült wird und den Erdboden kontaminiert. Die feinen Staubpartikel, die auch Schwermetalle enthalten, können bis ins Grundwasser dringen und dieses so verunreinigen, dass es für die menschliche Nutzung nur noch mit energieaufwändigen Aufbereitungsmaßnahmen verwendet werden kann. Das gleiche gilt für Streusalz.

2. Emission von reaktiven Gasen

Der Verbrennungsprozess erzeugt darüber hinaus hoch reaktive SOx und NOx-Verbindungen, um nur einige Beispiele zu nennen. Diese reagieren mit H2O zu starken Säuren (H2SO4=Schwefelsäure, H2NO3=Salpetersäure). Dies geschieht beim Einatmen in der Lunge, aber vor Allem in der Atmosphäre und führt zu dem Phänomen, was allgemein als sauerer Regen bekannt ist. Dieser Niederschlag führt durch den niedrigen pH-Wert zu Schäden an Baudenkmälern durch die Auswaschung von Mineralien aus dem Gestein, Fischsterben in Oberflächengewässern wie Seen, Versauerung von Böden, die die landwirtschaftliche Nutzung einschränken oder zu Pflanzensterben führen und vielen weiteren umweltschädigenden Effekten.

3. Emission von CO2

CO2 ist nicht giftig oder gefährlich, verstärkt jedoch bekannterweise den Treibhauseffekt, der in den letzten Jahrzehnten eine signifikante Erderwärmung verusacht hat und zukünftig noch wird. Die Auswirkungen davon brauche ich hier wohl nicht alle aufzuzählen.

4. Verkehrsunfälle

Das Auto verursacht die meisten Verkehrstoten und -verletzten. Das liegt wohl auch daran, dass jeder diese Fahrkästen steuern darf und nicht alle Menschen gleich aufmerksam, routiniert oder verantwortungsbewusst sind. Fahrerinnen und Fahrer des öffentlichen Personenverkehrs sind dagegen sehr geübt und besonders ausgebildet, die Fahrzeuge werden strenger geprüft. Im Schienenverkehr gibt es noch viel mehr Sicherheitsmaßnahmen, sodass Unfälle praktisch nie vorkommen. Ein Jugendlicher auf Drogen kann in einem Auto auch mehr Schaden anrichten, als auf einem Fahrrad. Besonders RadfahrerInnen sind durch Autos gefährdet.

5. Flächenverbrauch

Durch den sehr geringen Besetzungsgrad von durchschnittlich 1,5 Personen pro PKW ist um die gleiche Menge Personen zu befördern ein viel, viel breiterer Straßenquerschnitt erforderlich, als wenn man den Verkehr über eine Schiene oder einen Radweg abwickeln würde. Und obwohl ein Fahrzeug durchschnittlich 23 Stunden täglich gar nicht benutzt wird, verbraucht es selbst als Stehzeug ca. 10m² Platz (nicht-behindertengerechter Stellplatz nach Norm für europäische Autos: 2x5m). Diese Flächen stehen anderen Nutzungen nicht mehr zur Verfügung: Wohngebiete, Naherholungsanlagen, Grünflächen, Kleingärten, Freizeiteinrichtungen,... In der Innenstadt sind zudem Grundstückspreise oft besonders hoch. Müssen hier Parkflächen für MIV-Nutzer zur Verfügung gestellt werden, kommt dafür meistens die Stadt oder Kommune auf. Parkgebühren sind, falls sie überhaupt erhoben werden, meist nicht kostendeckend und somit fallen allein für die Parkraumbereitstellung der öffentlichen Hand Kosten an - dies ist jedoch nur ein kleiner Teil der externen Kosten des Autoverkehrs, den nicht die VerursacherInnen, sondern die Allgemeinheit bezahlt.

6. Flächenversiegelung

Autoverkehr benötigt verbraucht also sehr viel Fläche - viel, viel mehr, als andere Verkehrsarten. Da Verkehrsflächen für PKW in den meisten Fällen zu 100 % versiegelt sind, verringert sich dadurch die Regenwasserinfiltration und es erhöht sich der Oberflächenabfluss. Dies verringert nicht nur die Grundwasserneubildung sondern trägt vor Allem maßgeblich zu innerstädtischem Hochwasserrisiko und der Überlastung von Kläranlagen bei Starkregenereignissen bei, wodurch wiederum ungeklärte Abwässer in die Vorfluter abgegeben werden, was die Gewässerbelastung erhöht und die Artenvielfalt der Flüsse gefährdet. Versiegelte Fläche verschlechtern im Sommer maßgeblich das städtische Kleinklima. Es kommt zu Wärmeinselbildung, was den Aufenthaltskomfort in Städten senkt und bei älteren und kranken Menschen wiederum die Sterblichkeit erhöht.

7. Abminderung der Umfeldsqualität

Kleine Straßen senken die Attraktivität und Aufenthaltsqualität oft durch die Dominanz parkender Autos, große Straßen durch ihre hohe Trennwirkung. Straßen zerschneiden nicht nur die Natur und erschweren den Verbund von Biotopen, was die Artenwanderung einschränkt (die besonders durch die Veränderung der Klimazonen in Zukunft verstärkt an Bedeutung bekommen wird) - sie zerschneiden auch die Siedlungen und trennen die Menschen. Wer an einer großen Straße wohnt, kennt meistens nur die Nachbarn links und rechts, nicht jedoch im Haus gegenüber, was in kleinen Straßen nicht unüblich ist. Hinzu kommen natürlich noch die Staubbelastung, Unfallgefahr und der Verkehrslärm, die den Straßenraum unwirtlich machen und die Hauptursache sind, warum heute Kinder in großen Städten kaum noch draußen spielen, sondern stattdessen lieber fett werden und einen krummen Rücken bekommen an der Playstation. Die Anforderungen, die der Straßenverkehr an die Stadtplanung stellt, verhindern häufig auch eine attraktive Gestaltung von Straßen.

8. Emission von Lärm

Selbst wenn Lärm nicht von einer Tätigkeit ablenkt, bewusst stört oder Kommunikation unterbricht führt er zur Ausschüttung von Streßhormonen - im wachen Zustand wie im Schlaf. Diese Hormone (Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol) sind bis zu 90 Minuten im Blut wirksam und erhöhen Blutdruck, Gefäßwiderstand, Herzschlagfrequenz, usw. - vergleichbar mit Stress. Dies begünstigt Herz- Kreislauferkrankungen, die immernoch Todesursache Nummer 1 in Deutschland sind. Lärmrezeption führt zu steigender Empfindlichkeit, höherem Schlaf- und Beruhigungspharmakakonsum, dem Lombard-Effekt (Stimmveränderung: langsamer, höher, lauter, monotoner), Zwangsaufmerksamkeit, Lärmschwerhörigkeit, verminderter Konzentrations- und Aufnahmefähigkeit, lärminduzierte Schlafstörungen, usw. Über 70 % in Deutschland fühlen sich durch Verkehrslärm belästigt. 33 % sind über 3 Std. täglich durch Verkehrslärm betroffen, 10 % (5 Mio Menschen!) werden selbst bei geschlossenen Fenstern gestört.

9. Behinderung des NMT

Parkende Fahrzeuge zwingen Fußgänger und Radfahrer häufig, um sie herumzugehen oder machen Fuß´- und Radwege durch Blockade vollständig unbenutzbar. Auf den Straßen werden Fahrräder durch Autos häufig verdrängt, übersehen, entrechtet oder sogar gefährdet. Lichtsignalanlagen ("Ampeln"), Über- und Unterführungen zwingen Fußgängern und Radfahrern Wartezeiten oder Umwege auf. Allein Lärm und Abgase machen das Radfahren an vielen Orten so unattraktiv, dass viele Menschen, die in der Freizeit gerne radfahren, selbst für kurze Strecken das Auto vorziehen. Im Winter wird der Schnee häufig von der Straße auf den Radweg geschoben - zugunsten des MIV. Meist werden Radwege gar nicht geräumt und seltener erneuert als die Fahrbahnen für Autos.

10. Hohes Abfallaufkommen

Wenn jeder eine eigene Fahrkabine hat, die alle 10 Jahre verschrottet werden muss, wird viel mehr Abfall erzeugt, als es der öffentliche Verkehr mit seinen Fahrzeugen je schaffen würde. Ein großer Anteil des Schrotts besteht aus Ressourcen, die nicht wieder verwendet werden können und somit der Erde für immer verloren gehen. Und der Müllberg wächst. Und wächst.

11. Hoher Verbrauch menschlicher Arbeitskraft

Viele Millionen Menschen weltweit leben fürs Auto - sie entwickeln neue onboard entertainment-Extras, sie stehen den ganzen Tag am Fließband, führen ein Verkaufsgespräch nach dem anderen, reparieren Scheibenwischer oder bedienen Schrottpressen auf Autofriedhöfen. Was Ökonomen als Jobmotor bezeichnen, könnte man auch eine ungeheure Verschwendung menschlicher Zeit und Schöpfungskraft nennen. Denn all diese teils hochqualifizierten Menschen könnten stattdessen auch umweltfreundlichere und zukunftsfähigere Technologien entwickeln, bauen und verkaufen, statt eine der Hauptgefahren der menschlichen Existenz auf dem Planeten aufrechtzuerhalten und an diesem über 100 Jahren alten Mobilitätsansatz rumzufeilen. Z.B. erneuerbare Energien, hocheffiziente und komfortable Fahrräder, schnellere Züge, bequemere Busse und Siedlungsstrukturen mit kürzeren Wegen.

12. Niedrige Effizienz

Die Motortechnologie, die sich in den letzten 100 Jahren nicht maßgeblich verändert hat, erzeugt viel Abwärme durch Reibung und die Herstellung von Nebenprodukten (Emissionen) und setzt nur einen kleinen Teil der investierten Energie in die Fortbewegung um. Das hohe Gewicht der Fahrzeuge (ca. 1 Tonne) ist ca. 10 mal so hoch wie das der Insassen, muss trotzdem bei jedem Anfahrvorgang wieder mitbeschleunigt werden. Beim Bremsen wird alle Energie in den Materialabrieb überführt - 0 % wird für den Antrieb zurückgewonnen. Technisch bedingt erfordert der Motor eine bestimmte Temperatur und Drehzahl, um einen höheren Wirkungsgrad zu erzielen. Bei kurzen Strecken vor Allem im Winter erreicht der Motor meist gar nicht seine Betriebstemperatur und ist dadurch noch ineffizienter. Durch das ständige Stop-and-go-Fahren im Stadtverkehr kann der Motor kaum in seinem idealen Drehzahlbereich gefahren werden und ist dadurch noch ineffizienter. Bedenkt man, dass das Auto 23 Stunden täglich ungenutzt rumsteht, rostet und an Wert verliert, öffentliche Busse und Bahnen jedoch non-stop den ganzen Tag jeden Tag im Einsatz sind, lässt sich die Ressourcennutzung des Fahrzeugs auch als ineffizient bezeichnen. Wenn es gefahren wird, sind durschnittlich nur 1,5 Personen drin - also nur 30 % Auslastung.

Hinzu kommt, dass MIV nicht verallgemeinerbar ist. Dass heißt, dass es nicht allen Menschen auf der Erde ermöglicht werden kann, diese Fortbewegungsart zu wählen. Es gibt derzeit weltweit 1 Mrd Autos auf 6 Mrd Menschen. Eine versechsfachung der Automenge ist nicht möglich, weil die Ressourcen des Planeten hierfür nicht ausreichen würden. Öl wird ja nicht nur für den Antrieb, sondern auch für die zunehmend aus Kunststoff hergestellten Autoteile benötigt. Es bleibt also ein vorübergehendes Privilleg von wohlhabender Bevölkerung - vor Allem in den Industrieländern - auf Kosten aller.

Fazit: jede vermiedene Autofahrt verringert Lärm-, Schadstoff- und Klimagasemissionen, spart Platz auf den Straßen und Parkflächen, spart Öl für die Kunststoffherstellung, reduziert die Belästigung von FußgängerInnen, RadfahrerInnen und StraßenanwohnerInnen und das Unfallrisiko und macht die Umwelt attraktiver.

Wer darüber Bescheid weiß, wird sich nicht so leichtfertig aus Bequemlichkeit oder aus vermeintlichen Kostengründen für das Auto entscheiden. Statt zu Weihnachten an Greenpeace zu spenden wäre der Umwelt sicherlich mehr geholfen, mal statt Auto oder Billigflieger die hochverschuldete Deutsche Bahn zu unterstützen - auch wenn es ein paar Euro mehr kostet. Übrigens gibt es viele Städteverbindungen auch mit Linienbussen, die manchmal billiger als die Bahn sein können, in der Umweltbilanz aber auch nicht schlecht sind. Und wenn nicht umweltbewusste Menschen mit gutem Beispiel voran gehen und allen beweisen, dass Mobilität an den meisten Orten in Deutschland ohne Auto möglich ist - wer soll die eingefleischten, gewohnheitsgefangenen AutofahrerInnen überzeugen?

 

 

 

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